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Delitzsch-Compact

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Einfach mal lÀnger wachsen lassen: Schmetterlingswiesen in Nordsachsenv

Delitzsch-Compact: Einfach mal lÀnger wachsen lassen: Schmetterlingswiesen in Nordsachsenv

Artikel vom:12.07.2019
Bereits seit vier Jahren gibt es die Mitmachaktion: „Puppenstuben gesucht – BlĂŒhende Wiesen fĂŒr Sachsens Schmetterlinge.“ Der Auftakt in Nordsachsen fand anno 2016 im Eilenburger Stadtpark statt. Mittlerweile gibt es im Landkreis 43 dieser „Eldorados“ fĂŒr Insekten. Damit sollen vor allem in bebauten Gebieten wieder LebensrĂ€ume fĂŒr Falter, Bienen, Hummeln & Co. geschaffen werden.
Mit dem Aufruf „Sachsen blĂŒht“ soll das BlĂŒten- und Lebensraumangebot fĂŒr Insekten und Vögel in den Siedlungsbereichen durch die Möglichkeit einer gezielten Ansaat nochmals erhöht werden. Die SĂ€chsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) stellt hierfĂŒr kostenlos gebietseigenes zertifiziertes Saatgut fĂŒr geeignete FlĂ€chen zur VerfĂŒgung.
Warum Schmetterlingswiesen wichtig sind, was diese ausmacht und wo diese im Landkreis Nordsachsen sind, erklÀrt Volker Dittmann vom Umweltamt des Landratsamtes Nordsachsen.
Was hat es mit dem Projekt „Schmetterlingswiesen“ auf sich ?
Die Idee wurde vor einigen Jahren gemeinsam mit Dr. Matthias Nuß aus Dresden entwickelt. Damit sollte einerseits auf die immer deutlicher zutage tretende Situation des starken RĂŒckgangs von Insekten, auch Schmetterlingen, aufmerksam gemacht werden; andererseits aber auch direkt etwas fĂŒr die Schmetterlinge und deren Lebensbedingungen unternommen werden.

Was unterscheidet eine Wiese von einer Schmetterlingswiese?
Eigentlich ist die Bewirtschaftung einer Schmetterlingswiese nicht anderes als die klassische, seit vielen Jahrhunderten praktizierte, extensive Bewirtschaftung einer GrĂŒnlandflĂ€che. Das heißt, eine ein- bis zweischĂŒrige Mahd der Wiese mit einem ersten Schnitt im Mai bis Juni und einem spĂ€teren zweiten je nach Aufwuchs im Juli bis September. Diese Bewirtschaftung fĂŒhrt zu den typisch arten- und blĂŒtenreichen, niedrig- bis mittelwĂŒchsigen Wiesen; mit einer Vielzahl bunt blĂŒhender KrĂ€uter wie Margeriten, Glockenblumen, Wiesenflockenblumen, Hahnenfuß-Arten, FerkelkrĂ€utern, Johanniskraut, Wicken etc. Benötigt werden aber Bereiche, die wechselnd von der Mahd ausgenommen werden, damit die Schmetterlingsraupen auch nach einer Mahd noch Möglichkeiten haben, sich weiter zu entwickeln. Kleinere Wiesenabschnitte, wiederum auf der FlĂ€che wechselnd, sollten deshalb sogar den Winter ĂŒber stehenbleiben, weil viele Schmetterlinge als Puppen an KrĂ€uter bzw. GrĂ€ser geheftet das Winterhalbjahr ĂŒberdauern.

Was passiert, wenn die Wiese nicht in diesem Rhythmus gemÀht wird?
Werden GrĂŒnlandflĂ€chen gar nicht mehr gemĂ€ht, dann setzen sich hochwĂŒchsige, schnittempfindliche Arten wie Landreitgras, Brennnessel und Kanadische Goldrute durch. Die Wiese „verbracht“. Viele niedrigwĂŒchsigere und konkurrenzschwĂ€chere Arten werden schlicht wegkonkurriert und ĂŒberwachsen.
MĂ€ht man andererseits aber zu hĂ€ufig - dreimal, viermal, bei manchen GrĂŒnflĂ€chen im Lauf eines Sommers bis zu zwanzigmal - dann ist dies fĂŒr die Arten- und BlĂŒtenvielfalt genauso abtrĂ€glich. Die meisten WiesenkrĂ€uter können sich nicht regenerieren. Übrig bleiben artenarme Vielschnitt-Scherrasen mit wenigen KrĂ€utern wie GĂ€nseblĂŒmchen und Löwenzahn, welche mit ihren dem Boden anliegenden Blattrosetten praktisch unter dem RasenmĂ€her „wegtauchen“.

Ist der zu beobachtende RĂŒckgang der Insekten nur auf den weit verbreiteten Mangel an BlĂŒhflĂ€chen zurĂŒckzufĂŒhren ?
Der InsektenrĂŒckgang hat mehrere Ursachen. Neben unserer weithin ausgerĂ€umten Landschaft mit oft nur noch wenigen naturnahen Biotopstrukturen spielt vor allem die inzwischen viel diskutierte Anwendung von Insektiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln eine entscheidende Rolle. DarĂŒber hinaus werden Insektenarten, die z.B. an feuchte LebensrĂ€ume angewiesen sind, durch die lĂ€nger anhaltenden, heißen und trockenen Perioden im FrĂŒhjahr und Sommer noch einmal zusĂ€tzlich unter Druck gesetzt. Dies betrifft u.a. viele Arten der Feuchtwiesen, Bachauen, SĂŒmpfe und Moore.

Wie sieht es mit Schmetterlingswiesen in Nordsachsen aus?
Die Stadt Eilenburg bewirtschaftet inzwischen etwa zehn innerstĂ€dtische GrĂŒnflĂ€chen insektengerecht und in Abstimmung mit dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen und der Firma REMONDIS als FlĂ€chenbewirtschafter. Auch die Eilenburger Wohnungsverwaltung zeigte sich dem Vorhaben gegenĂŒber sehr aufgeschlossen und pflegt bisher zwei GrĂŒnflĂ€chen im stĂ€dtischen Bereich schmetterlingsgerecht.
Dass diese AktivitĂ€ten durchaus von Erfolg gekrönt sind, zeigt in Eilenburg die Beobachtung des in Sachsen als stark gefĂ€hrdet eingestuften Wegerich-Scheckenfalter. Auch viele andere StĂ€dte und Kommunen, etwa Bad DĂŒben, Oschatz oder Delitzsch, haben insektengerecht bewirtschaftete „Schmetterlingswiesen“ in ihrem GrĂŒnflĂ€chenbestand ausgewiesen und pflegen diese.
Viele Kirchgemeinden machen das ebenfalls. Der Naturpark „DĂŒbener Heide“ hat ein eigenes Programm zur Schaffung blĂŒtenreicher FlĂ€chen in Siedlungsbereichen – und es gibt letztlich auch schon eine Reihe von privaten oder Vereinsinitiativen, wie beispielsweise in Naundorf (Gemeinde Zschepplin).
Außerdem managt die Untere Naturschutzbehörde die „normale“ Betreuung der vielen Schutzgebiete in unserem Landkreis – gemeinsam mit den EigentĂŒmern und Nutzern. Die artenreichen Waldwiesen im Wermsdorfer Forst, in der DĂŒbener Heide und im KĂ€mmereiforst, die sich im Eigentum des Staatsbetriebes Sachsenforst befinden, die großen Offenland- und HeideflĂ€chen des Tiglitzer Forstes bzw. des StandortĂŒbungsplatzes Delitzsch, bei denen eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr erfolgt, die blĂŒtenbunten FlĂ€chen der Wölperner Torfwiesen, die durch den NABU gepflegt werden, die langen DeichflĂ€chen und GewĂ€sserrandstreifen, die in Abstimmung mit der Landestalsperrenverwaltung und der Unteren Wasserbehörde soweit wie möglich naturschutzgerecht gepflegt werden, zum Beispiel.

Reicht das?
Auch wenn schon in begrĂŒĂŸenswerter Weise eine Reihe von AktivitĂ€ten bestehen, so gibt es Luft nach oben. Es sind immer noch zahlreiche FlĂ€chen im Siedlungsbereich feststellbar, die stĂ€ndig kurz gemĂ€ht werden, obwohl sie weder als SportflĂ€che noch als WĂ€scheplatz oder Liegewiese genutzt werden, was einem lĂ€ngeren „Aufwachsenlassen“ entgegenstehen wĂŒrde. Die insektengerechte Anpassung ist allerdings ein Prozess, der Schritt fĂŒr Schritt vor sich gehen muss. Diesen begleiten und unterstĂŒtzen wir gern.


Was leistet das Landratsamt selbst zum Thema Insektenschutz?
Der Landkreis ist EigentĂŒmer bzw. Nutzer verschiedener Liegenschaften, der Verwaltungsstandorte in den vier StĂ€dten Delitzsch, Eilenburg, Torgau, Oschatz sowie verschiedener Schulen, des Beruflichen Schulzentrums Rote Jahne. Hier wird angestrebt, die AußenflĂ€chen um die GebĂ€ude herum so gut wie möglich insektengerecht zu bewirtschaften; bei aller notwendigen FunktionalitĂ€t. In Eilenburg werden z.B. in Zusammenarbeit mit der Stadt die GrĂŒnflĂ€chen um die ParkplĂ€tze vor den HĂ€usern nur noch zweimal im Jahr gemĂ€ht. Kleinere Inseln sind den Winter ĂŒber stehengeblieben. In Delitzsch fanden bereits Abstimmungen zur GrĂŒnpflege des LandratsamtsgelĂ€ndes statt; auch hier werden GrĂŒnflĂ€chen nur noch zweimal im Jahr gemĂ€ht, bei geringem Aufwuchs und randlicher Lage auch nur einmal, die Hecken und Gehölze werden nur zu den ParkplĂ€tzen und Gehwegen hin regelmĂ€ĂŸig, ansonsten lediglich einmal im Jahr nach der Brutzeit verschnitten.

6. Was kann jeder von uns tun ?
Es einfach mal etwas wachsen lassen und einen Pflegegang weniger durchfĂŒhren. Schon wenige Quadratmeter FlĂ€che im Garten oder hinterm Haus, auf denen nicht gemĂ€ht wird und wo WildkrĂ€utern die Chance gegeben wird, zu wachsen und zu blĂŒhen, sind wertvolle kleine Trittsteine und BlĂŒhoasen fĂŒr Schmetterlinge, Bienen und Hummeln. Die Samen fĂŒr die einheimischen BlĂŒhpflanzen und WildkrĂ€uter sind dabei meistens schon im Boden und werden durch Wind und Vögel verbreitet. Man muss ihnen eben nur die Chance geben, auszutreiben und zu erblĂŒhen. NatĂŒrlich kann der Prozess durch das Ausbringen von BlĂŒhmischungen unterstĂŒtzt werden. Dabei sollte auf heimisches Saatgut geachtet werden.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.schmetterlingswiesen.de
Auf der Karte werden alle Schmetterlingswiesen im Landkreis angezeigt: https://www.schmetterlingswiesen.de/Page sSw/Default.aspx?id=1860
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